Semesterabschluss

tun.starthilfe semesterabschluss

Zum Ende des Semesters fand die Abschlussdiskussion der tun.starthilfe für flüchtlinge statt. Als Gäste und Diskussionsteilnehmer waren die Dozenten der vergangenen wissenschaftlichen Vortragsreihe eingeladen worden: Dr. Kerstin Kazzazi, Dipl. Soz. Florian Mayr, MA Janka Bitter und Prof. Gabriele Gien.

 

 

"Was war die Motivation, einen Vortrag innerhalb des Moduls tun.starthilfe zu halten", fragte Diskussionsleiter Christopher Knoll zum Einstieg.

Prof. Gabriele Gien, Verantwortliche des Moduls EduCulture: "Es ist toll, wenn sich Studierende solche Projekte ausdenken und umsetzen." Sie selbst habe eigene Erfahrungen in Workshops mit Flüchtlingskindern gesammelt und freue sich, dass die Initiative Kindern, wie auch Erwachsenen, die Integration im Landkreis erleichtern will.

 

Selbst als Streetworker tätig, erklärt Florian Mayr, Dozent der Soziologie, dass die Frage von Inklusion und Exklusion eines der ältesten Themenfelder der Soziologie sei. Deshalb wollte er einen soziologischen Beitrag zur Initiative leisten und seine persönlichen Erfahrungen mit den Studenten teilen.

 

"Und das Leitbild? Inwiefern passt es zu Ihrem Fachbereich?"

Am wichtigsten sei die Sprachvermittlung für ihren Bereich, so PD Dr. Kerstin Kazzazi, nur über die Kenntnis der jeweiligen Sprache sei ein selbstbestimmtes Leben möglich. Dabei machte sie deutlich, dass es für die Flüchtlinge ausdrücklich nicht um einen Sprachwechsel gehe, sondern um das Dazulernen einer neuen Sprache. Sprachwechsel sei häufig mit Furcht verbunden, Furcht, die eigene Kultur und Identität zu verlieren. Deshalb sei es notwendig, zu vermitteln, so fährt sie fort, dass es kein "Entweder - Oder", sondern ein "Und" geben kann. Die Kommunikation auf Augenhöhe der tun.starthilfe sei ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Janka Bitter ergänzt: "das Recht auf Teilhabe ist zentral für die Einhaltung der Menschenrechte. Doch aus Recht ergibt sich Verantwortung. Verantwortung, die viele Asylbewerber gerne übernehmen würden, aber nicht können." Weil sie nicht arbeiten dürfen und weil ihnen in dieser Phase kein staatlicher Integrationskurs zusteht. Die tun.starthilfe bietet ihnen an, sich in der Initiative selbst einzubringen. Sie fördert damit das Selbstbewusstsein und steht ihnen auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben zur Seite.

 

"Wie sehen Sie den Zusammenhang von tun, Uni und Gesellschaft?"

"Forschung, Lehre und die ‚Mission Gesellschaft‘ zusammen ermöglichen ein reflektiertes Engagement. Verschiedene Kompetenzen können in den einzelnen Bereichen der Initiative eingebracht werden und tragen zur Persönlichkeitsbildung bei", sagt Prof. Gabriele Gien.

 

Janka Bitter richtet den Blick auf die USA. Dort sei es selbstverständlich, sich auch innerhalb der Universität sozial und politisch zu engagieren. In Europa erschwere das historische Bild der Universität als "Palast der Wissenschaften" noch immer die Verschmelzung von Studium und Engagement. Mit Dr. Kerstin Kazzazi stimmt sie darin überein, dass die Universität die Verbindung zwischen reiner Wissenschaft und Engagement ermöglichen sollte. Ehrenamtliches Handeln profitiere von einem wissenschaftlichen Fundament. Umgekehrt generiere Engagement innerhalb von Universitäten neue Forschungsfragen, die sich aus der Gesellschaft ergeben.

 

Die anschließende Diskussion ist geprägt von Fragen nach zeitlicher Einteilung innerhalb des verschulten Bachelor- und Mastersystems, nach Vermittlung praxisorientierten Wissens in Vorlesungen und Seminaren und endet mit der Feststellung, dass die tun.starthilfe Mehrwert besitzt. Für Studenten, die Universität, die Flüchtlinge im Landkreis und auch für die Gesellschaft.

 

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