Ehrenamt im Landkreis: Interview mit Iris Weiss aus Dollnstein

Iris Weiß

 

Seit vielen Jahren arbeitet Iris Weiß im Rathaus der Marktgemeinde Dollnstein. Dort ist sie nicht nur Standebeamtin, sondern auch zuständig für Einwohnermeldeamt Rente und Soziales.Trotz dieser Fülle an Aufgaben, nimmt sie sich die Zeit, sich auch privat gemeinnützig zu engagieren.

 

tun.starthilfe traf sie in Eichstätt.

 

 

 

Das Interview führte Karolina Albrecht

 

tun.starthilfe:

Frau Weiß, Sie sind sowohl Mitarbeiterin im Rathaus als auch ehrenamtlich sehr engagiert. Inwiefern gibt es Überschneidungen?

 

Iris Weiß:

Es gibt sogar sehr viele. Die Schwierigkeit ist, trennen zu können. Als Ansprechpartnerin für die Asylbewerber habe ich immer ein offenes Ohr für sie. Dabei spielen gegenseitiges Vertrauen, Ehrlichkeit und, wenn es sein muss, auch Strenge eine Rolle. Mir ist wichtig, immer auf Augenhöhe mit den Bewerbern zu sprechen. Seit etwa einem Jahr bin ich auch privat in engem Kontakt mit ihnen. Und durch meine Arbeit im Rathaus profitiere ich natürlich hier von den kurzen Wegen.

 

tun.starthilfe:

Gab es ein bestimmtes Schlüsselerlebnis oder Startpunkt für ihr Engagement?

 

Iris Weiß:

Eigentlich nicht. Das ist wirklich eine schwierige Frage. Ich denke, man muss einfach der Typ dazu sein und braucht eine gewisse Intuition, die einen bei Problemen aufhorchen lässt. Oder man hört von einer Aufgabe oder einem Problem und denkt: da kann man doch etwas tun.

 

tun.starthilfe:

Das klingt, als hätten Sie schon einiges im Ehrenamt geleistet. In welchen Bereichen waren oder sind Sie tätig?

 

Iris Weiß:

Ich bin Mutter von drei Kindern, die heute 38, 35 und 27 sind. Wenn ich zurückdenke, bin ich schon mein ganzes Leben in soziale Projekte eingebunden. Erst Elternbeirat in Kindergarten und Schule, dann im Pfarrgemeinderat, auch als Vorsitzende und Lektorin, und jetzt im Helferkreis Dollnstein.

 

tun.starthilfe:

Der Helferkreis arbeitete im Fall einer Familie aus Dollnstein eng mit Mitgliedern der tun.starthilfe zusammen. Die Familie sollte nach Spanien abgeschoben werden, was vor allem für den autistischen Sohn eine große Belastung dargestellt hätte. Wie kam es zu dieser Kooperation?

 

Iris Weiß:

Das stimmt.. Im Prinzip war es purer Zufall. Die Mutter der Familie kam mit einem Schreiben zu mir, dass der Fall von Nürnberg nach Karlsruhe weitergegeben würde. Vieles konnte dann während der tun Sommerschule angeregt werden. Max Brenner von der tun.starthilfe wandte sich an eine Anwältin in München, die uns beratend zur Seite stand. Gleichzeitig fragten wir an verschiedenen Stellen nach Kirchenasyl. Unser Pfarrer in Dollnstein erklärte sich bereit, dieses zu gewähren, sollte es tatsächlich so weit kommen. Auch Tobias Klaus von der Bayerischen Flüchtlingshilfe stand uns mit Rat und Tat zur Seite und war eine große Stütze. Im September 2013 kamen wir dann mit MdB Reinhard Brandl in Kontakt. Er wandte sich an das Bundesamt für Migration in Nürnberg und setzte sich ebenfalls für die Familie ein. Gemeinsam konnten wir vieles anstoßen und im Dezember kam dann der erlösende Anruf von Prof. Rainer Greca: die Familie darf bleiben.

 

tun.starthilfe:

tun.starthilfe war Ihnen also bereits ein Begriff? Wie wurden Sie auf die Initiative aufmerksam?

 

Iris Weiß:

Auch das war wohl Intuition. Ich war auf der Suche nach jemandem mit arabischen Sprachkenntnissen, der mir bei der Kommunikation mit Asylbewerbern helfen konnte. Ich kannte Frau Kazzazi aus dem Nachbarort, wusste aber nicht genau, welche Muttersprache ihr Mann spricht. Es war persisch und nicht arabisch. Dennoch hatte ich genau die Richtige gefragt. Eines Tages bekam ich einen Anruf von Frau Kazzazi: an der Uni organisiere Prof. Greca mit Studenten Sprachkurse für Asylbewerber. Also packte ich die Dollnsteiner ins Auto und fuhr hin. Dort wurden wir von Anna Peschke in Empfang genommen und ich gleich als Fahrdienst eingespannt, um auch die Schüler aus Pfünz abzuholen. Durch die tun.starthilfe und das RISE-Projekt konnte ich nun in rechtlichen und amtlichen Dingen auch auf Prof. Greca als Ansprechpartner bauen, in den praktischen Dingen auf Anna.

 

tun.starthilfe:

Wie bewerten Sie Initiativen wie die tun.starthilfe? Bemerken Sie in Ihrem Alltag Verbesserungen, die auf die Initiative zurückzuführen sind?

 

Iris Weiß:

Natürlich. Zum einen lenkt die Initiative die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Flüchtlingsthematik und zeigt auch die Probleme auf, die durch die Bundesgesetzgebung entstehen. In meiner Arbeit fallen besonders die Deutschkenntnisse der Asylbewerber auf. Die „Schüler“ sind mit Freude dabei. Einer unserer jungen Männer aus Afghanistan ist ganz wild darauf und freut sich schon die ganze Woche auf den nächsten Termin. Ganze Sätze, die eine richtige Kommunikation ermöglichen zeigen, dass die Deutschkurse wirklich sehr gut sind.

 

tun.starthilfe:

Vielen Dank, Frau Weiß, für das nette Gespräch und weiterhin viel Erfolg in Ihrer Arbeit!